Autorin: Model Reingard Backhaus berichtet

Jule und ich kennen uns schon eine halbe Ewigkeit! Schon damals, als wir noch Seite an Seite als Models auf diversen Events und Modenschauen unterwegs waren, mochte ich die Zusammenarbeit mit ihr. Sie war immer hilfsbereit, freundlich, zielstrebig, aufmerksam, unglaublich aufgeregt 😉 – trotzdem stets professionell. Genau so ist sie geblieben, seit sie „die Seiten gewechselt hat“. Sie ist eine absolute Powerfrau, der man als Model völlig selbstverständlich genau das zurückgeben möchte, was man von ihr bekommst – absolute Leidenschaft und Professionalität.
Und so beginnen die Vorbereitungen für ein Show-Wochenende schon Tage im Voraus: Maniküre, Pediküre, die richtige Unterwäsche zusammenstellen, Termine so koordinieren, dass man sowohl pünktlich zur Probe als auch zur Show selbst da ist – nach gut 20 Jahren im Modelbusiness ist das aber schon Routine.

Proben und Wiedersehen

Freitag ist Probentag und Tag der „Hochzeitsmessenfamilienzusammenführung“. Viele von uns laufen schon seit Jahren gemeinsam, manche kennen sich bereits seit Jahrzehnten. Wir fallen uns in die Arme, bringen uns auf den neuesten Stand – in Sachen Liebe, Leben und allem dazwischen. Einfach schön, wieder dabei zu sein!
Dann geht es an die Abläufe: Wer steht wo? Wann drehen wir uns? Wohin laufen wir? Jedes Mal eine kleine koordinative Herausforderung – aber für Routiniers wie uns und Dank Jule’s akribischer Vorbereitung ein Kinderpiel 😉 Während der Proben fällt mir wieder einmal mehr auf, weshalb ich immer wieder gerne für Jule den Laufsteg betrete – sie bezieht uns mit ein. Ihr sind unsere Vorschläge wichtig und sie nimmt Rücksicht auf jede:n einzelne:n von uns. Sie kennt uns lange und gut genug, um zu wissen, wer in welche Szene und zu welcher Choreografie passt. So fühlen sich alle wohl – und was will man mehr?!
Nach den Proben folgt die Anprobe der Kleider – und hier der erste kleine Schockmoment: Fast keines passt (wäre ja auch zu schön gewesen). Vielleicht hätte ich über Weihnachten doch ein paar mehr Plätzchen essen sollen?! Aber keine Panik, Jule hat auch das im Griff! Sie hat im Vorfeld Steckbriefe aller Models an die Aussteller geschickt – und für jedes Problem gibt es eine Lösung. Kurze Abstimmung, neue Kleider werden organisiert. Gerettet! Jetzt heißt es nur noch: ab in`s Bett, morgen wird ein langer Tag!

Showtime!

Der Wecker klingelt viel zu früh – aber Kaffee und eine halbkalte Dusche werden’s schon richten. Zwei Stunden sind für Haare und Make-up eingeplant – und die brauchen wir auch! (Wann sind meine Haare eigentlich schon wieder so lang geworden???)
Ein letzter Spiegel-Check – einer Braut würdig! Plötzlich ist es 11:30 Uhr, und die erste Show beginnt. Ich habe die Ehre, die Show und damit den Tag zu eröffnen! Kurz bevor ich den Gang nach vorne antrete, dort in der Mitte des Laufstegs, spüre ich die Wärme der Scheinwerfer, sehe in die erwartungsvollen Augen der werdenden Bräute und emotionalen Brauteltern, fühle den Rhythmus des Songs – und da kommt es, dieses Gefühl, was mir nur das Modeln gibt. Ein Schalter legt sich um und völlig automatisch spiele ich mit dem Publikum, lasse das Kleid mit den potentiellen Käuferinnen flirten, höre die ersten Ahs und Ohs, lasse das Kleid noch einmal tanzen und lächle ein erstes letztes Mal für heute über meine Schulter, als ich den Laufsteg wieder verlasse. Wow, jede Sekunde genossen, aber keine Zeit für Melancholie – jetzt heißt es schnell sein, Kleid wechseln! Doch ich weiß: Jule’s Shows sind unglaublich gut organisiert – ich habe also nicht nur genügend Zeit zum Umziehen, sondern muss mich Dank Isi – Jule’s Assistentin – im Zweifel auch nicht um verklemmte Reißverschlüsse, fehlende Schuhe, dringend benötigten Lippenstift und ähnliche Katastrophen kümmern. Ich bin im Model-Paradies 😉
Drei Shows, jeweils acht Läufe und ehe ich mich versehe, ist es 16:30 Uhr – Schluss für heute. Ein intensiver, aber wunderschöner Showtag geht zu Ende. Ich kann den nächsten kaum erwarten!